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Der verdeckte Arbeitsmarkt: Wie Frauen 50+ Stellen finden, bevor sie ausgeschrieben werden

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Ein strahlend blauer Himmel mit vereinzelten weißen Wolken, durch die die Sonne scheint; in der Bildmitte steht in weißer Schrift der deutsche Begriff „Verdeckter Arbeitsmarkt“.

„Ich habe in den letzten sechs Monaten über vierzig Bewerbungen geschrieben. Vielleicht drei Antworten, keine einzige Einladung“. Das erzählte mir kürzlich eine Klientin, 54, ehemalige Teamleiterin im Vertrieb. Sie hatte alles richtig gemacht: aktueller Lebenslauf, individuelles Anschreiben, tägliche Jobbörsen-Recherche. Und trotzdem: nichts.

Ihr Fehler lag nicht in der Ausführung. Er lag darin, wo sie überhaupt suchte.

Der Markt, den Sie sehen, ist nicht der ganze Markt

Stellenanzeigen sind der sichtbare Teil des Arbeitsmarkts – aber bei Weitem nicht der größte. Ein erheblicher Teil der Positionen, besonders auf gehobener Ebene, wird nie öffentlich ausgeschrieben. Sie werden intern besetzt, über Empfehlungen vergeben oder direkt an jemanden herangetragen, den man kennt oder von dem man gehört hat – bevor überhaupt eine Anzeige geschaltet wird.

Das bedeutet: Wer sich ausschließlich auf ausgeschriebene Stellen konzentriert, bewirbt sich permanent auf den kleineren, umkämpften Teil des Kuchens. Und konkurriert dort gegen Dutzende, manchmal Hunderte andere Bewerberinnen und Bewerber – gefiltert von Algorithmen, die auf Schlagworte reagieren, nicht auf 25 Jahre gelebte Erfahrung.

Für Frauen 50+ ist das doppelt ungünstig. Genau in diesem offenen, hart umkämpften Segment schlägt Altersdiskriminierung am stärksten durch: Studien zeigen, dass ein Viertel der Recruiter Bewerbungen aufgrund des Alters aussortiert – vor allem bei klassischen externen Bewerbungen per E-Mail oder Jobportal. Bei internen Wechseln oder Empfehlungen ist dieser Effekt deutlich schwächer.

Was „verdeckter Arbeitsmarkt“ konkret bedeutet

Der verdeckte Arbeitsmarkt ist kein geheimer Ort. Er ist ein Prinzip: Positionen entstehen oft aus einem Bedarf, bevor jemand eine Ausschreibung formuliert. Eine Führungskraft merkt, dass ihr Team eine bestimmte Erfahrung braucht. Ein Unternehmen plant einen Bereich neu, hat aber noch kein Stellenprofil geschrieben. Genau in diesem Moment entscheidet sich oft schon, wer den Zuschlag bekommt – nämlich diejenige Person, die zum richtigen Zeitpunkt im Kopf der entscheidenden Person präsent ist.

Wer dort nicht sichtbar ist, erfährt von der Stelle erst, wenn sie längst öffentlich ausgeschrieben ist – und dann meist schon mit einer Wunschkandidatin im Hinterkopf der Personalverantwortlichen.

Drei Wege, um im verdeckten Arbeitsmarkt präsent zu sein

1. Das eigene Netzwerk aktiv informieren – konkret, nicht diffus. „Falls du mal was hörst“ bringt fast nie etwas, weil es niemandem eine klare Handlung ermöglicht. Wirksamer ist eine präzise Botschaft an fünf bis zehn Menschen aus dem beruflichen Umfeld: welche Art von Position, welcher Bereich, welche Branche, ab wann. Konkrete Anfragen erzeugen konkrete Antworten – und werden eher weitergeleitet.

2. Informationsgespräche führen, ohne dass eine Stelle offen ist. Ein 20-minütiges Gespräch mit jemandem aus einem Unternehmen oder einer Branche, die Sie interessiert – ohne Bewerbungsdruck, mit echtem Interesse an deren Perspektive – ist eine der unterschätzten Methoden. Es positioniert Sie als Person im Kopf jemandes, lange bevor eine Vakanz entsteht.

3. Sichtbar sein, bevor gesucht wird. Ein gepflegtes, klar positioniertes LinkedIn-Profil, gelegentliche fachliche Beiträge oder Kommentare, Präsenz in Branchengruppen oder bei Verbandstreffen: All das sorgt dafür, dass Menschen an Sie denken, wenn ein Bedarf entsteht – auch ohne dass Sie aktiv nachfragen.

Der erste Schritt

Sie müssen nicht sofort Ihr komplettes Vorgehen umstellen. Beginnen Sie diese Woche mit einer einzigen, sehr konkreten Aktion: Schreiben Sie fünf Personen aus Ihrem Netzwerk an – nicht mit der Bitte um einen Job, sondern mit der klaren Information, wonach Sie suchen, und der Frage, ob sie jemanden kennen, mit dem Sie zehn Minuten sprechen könnten.

Das ist unspektakulär. Und es ist der Hebel, der in der Praxis am meisten bewegt wird.

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