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Verborgene Stärken entdecken: Was kannst du besser, als du denkst?

Frau blickt hinter grünen Pflanzen hervor. Text: Verborgene Stärken entdecken.

Viele Menschen können ihre Schwächen sofort aufzählen. Bei ihren Stärken geraten sie dagegen ins Grübeln. Das gilt besonders für Fähigkeiten, die ihnen leichtfallen. Was selbstverständlich erscheint, wird häufig nicht als besondere Begabung wahrgenommen.

Dabei liegen gerade dort oft unsere wertvollsten Stärken.

Wenn du herausfinden möchtest, was du wirklich gut kannst, nimm dir etwas Zeit und beantworte die folgenden drei Fragen. Schreibe deine Antworten auf und notiere möglichst konkrete Beispiele aus deinem Berufsleben und deinem Alltag.

1. Was zehrt an dir, gibt anderen Menschen aber Energie?

Manche Menschen lieben Networkingveranstaltungen. Sie gehen offen auf andere zu, führen mühelos Gespräche und verlassen den Raum voller neuer Energie. Andere fühlen sich danach vollkommen erschöpft.

Vielleicht geht es dir so mit Tabellenkalkulationen, organisatorischen Aufgaben, Verkaufsgesprächen oder Präsentationen vor Publikum.

Achte darauf, welche Tätigkeiten dich regelmäßig viel Kraft kosten. Dabei geht es nicht um einen anstrengenden Tag oder eine Aufgabe, die du noch nicht beherrschst. Entscheidend ist, ob dich eine Tätigkeit auch nach längerer Erfahrung immer wieder auslaugt.

Das bedeutet nicht automatisch, dass du darin schlecht bist. Vielleicht kannst du die Aufgabe sogar zuverlässig erledigen. Dennoch ist sie wahrscheinlich nicht der Bereich, in den du den größten Teil deiner Energie investieren solltest.

Frage dich:

  • Welche Aufgaben schiebe ich besonders häufig auf?
  • Nach welchen Tätigkeiten brauche ich lange, um mich zu erholen?
  • Welche Aufgaben erledigen andere mit Begeisterung, während ich mich dazu zwingen muss?

Deine Antworten zeigen dir, welche Tätigkeiten vermutlich nicht zu deinen natürlichen Stärken gehören.

2. Woran arbeitest du seit Jahren, ohne deutliche Fortschritte zu erkennen?

Ausdauer ist wichtig. Nicht jede Fähigkeit lässt sich schnell entwickeln. Trotzdem lohnt es sich, ehrlich zu prüfen, ob der eigene Einsatz tatsächlich zu einer Verbesserung führt.

Vielleicht spielst du seit Jahren Gitarre und beherrschst einige Akkorde, wirst aber vermutlich niemals ein herausragender Sologitarrist. Vielleicht besuchst du regelmäßig Rhetorikkurse, erstarrst aber weiterhin auf der Bühne. Oder du versuchst immer wieder, Ordnung in bestimmte Abläufe zu bringen, ohne dass es dir dauerhaft gelingt.

Das muss nicht bedeuten, dass dir grundsätzlich das Talent fehlt. Vielleicht passt die Lernmethode nicht zu dir. Vielleicht brauchst du eine andere Form der Unterstützung. Vielleicht liegt dir ein anderer Bereich innerhalb dieser Tätigkeit viel mehr.

Wer auf der Bühne nicht frei sprechen kann, ist möglicherweise hervorragend darin, Reden zu schreiben, Inhalte zu strukturieren oder andere Menschen auf ihre Auftritte vorzubereiten.

Frage dich:

  • Wo investiere ich seit langer Zeit viel Kraft, ohne ein entsprechendes Ergebnis zu sehen?
  • Habe ich verschiedene Lernmethoden ausprobiert?
  • Welcher Teil dieser Tätigkeit fällt mir leichter als der Rest?
  • Verfolge ich dieses Ziel, weil es wirklich zu mir passt oder weil ich glaube, es erreichen zu müssen?

Manchmal besteht die klügste Entscheidung darin, ein Ziel loszulassen oder neu zu definieren. Die frei werdende Energie kannst du dort einsetzen, wo du größere Wirkung erzielst.

3. Wofür bekommst du Komplimente, obwohl es dir ganz leichtfällt?

Diese Frage führt besonders häufig zu verborgenen Stärken.

Vielleicht sagen andere zu dir:

„Du kannst komplizierte Dinge so verständlich erklären.“

„Du findest immer die richtigen Worte.“

„Du behältst auch in schwierigen Situationen den Überblick.“

„Bei dir fühlt man sich sofort willkommen.“

„Du erkennst sofort, worum es wirklich geht.“

Möglicherweise reagierst du darauf mit dem Gedanken: „Das ist doch nichts Besonderes. Das kann doch jeder.“

Sehr wahrscheinlich stimmt das nicht.

Wir unterschätzen Fähigkeiten, die uns leichtfallen. Weil wir uns dafür kaum anstrengen müssen, halten wir sie für selbstverständlich. Für andere Menschen kann genau diese Fähigkeit jedoch ausgesprochen wertvoll sein.

Denke an Komplimente, die du wiederholt erhältst. Frage auch Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen, was du aus ihrer Sicht besonders gut kannst. Bitte sie um konkrete Beispiele. Häufig erkennen andere unsere Stärken deutlicher als wir selbst.

Frage dich:

  • Wofür werde ich regelmäßig gelobt?
  • Wobei bitten mich andere um Hilfe?
  • Was gelingt mir schneller oder leichter als anderen?
  • Welche Fähigkeit halte ich für selbstverständlich?
  • Bei welchen Aufgaben verliere ich das Gefühl für die Zeit?

Suche nach wiederkehrenden Mustern

Betrachte anschließend alle Antworten gemeinsam. Welche Themen tauchen mehrfach auf?

Vielleicht stellst du fest, dass du besonders gut zuhören, Zusammenhänge erkennen oder Menschen miteinander verbinden kannst. Vielleicht kannst du komplexe Informationen strukturieren, kreative Lösungen entwickeln oder anderen Mut machen.

Eine Stärke muss nicht spektakulär wirken. Sie muss auch nicht auf einem Zeugnis stehen. Oft zeigt sie sich in kleinen Situationen, die sich im Laufe des Lebens immer wiederholen.

Der wichtigste Hinweis lautet: Deine größte Stärke fühlt sich für dich möglicherweise gar nicht wie eine besondere Leistung an. Sie wirkt leicht, vertraut und selbstverständlich.

Genau deshalb solltest du genauer hinschauen. Was dir leichtfällt und anderen hilft, kann eine deiner wertvollsten Fähigkeiten sein.

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